Ist der Wettkampf die Lösung?

Vor zwei Jahren sah ich bei einem Triathlon in Tübingen zu. Zuerst durften die Teilnehmer in dem ach so sauberen Neckar eine Runde schwimmen, dann zogen sie sich ihre Radklamotten und Schuhe an und fuhren los um ihre Trikots zu trocknen… so sah es zumindest von außen aus. Dann das Rad weg und zu Fuss weiter. Quer durch die Innenstadt bis sie schließlich in der Zielgeraden ankamen. Dabei sah man in erschöpfte Gesichter, freudige Gesichter und rote Köpfe und abgekämpfte Augen.

Dabei sein ist alles!

Die Frage die sich mir hier stellte: Was bewegt einen diese Sportarten zu vereinen? Nun ich bin nicht sehr sportlich und auch nicht diejenige, die für solch einen Wett-Kampf trainieren würde. Denn ich wäre immer die Letzte und könnte nur am Ende sagen: „Dabei sein ist alles“. Doch die meisten machen das nicht um „nur“ dabei zu sein. Auf mich wirkt das eher wie eine Art von Selbstbefriedigung. Endlich eine Bestätigung zu bekommen, etwas erreicht zu haben. Oder vielleicht sagen zu können – ich bin Triathlet und war dabei – und irgendwann lauf ich auch den Iron Man…

Ungestillte Bedürfnisse?

Was ich persönlich glaube: Viele trainieren auf diese Events um ihre nicht gestillten Bedürfnisse zu befriedigen. Welche könnten das sein bei einem Event wie diesem? Nun zunächst das Bedürfnis nach Anerkennung und Annahme. Es könnte schon mal der Satz kommen: „Wie Du läufst da mit? – wow! Das würde ich nie schaffen“ oder „Bewundernswert, was Du da geleistet hast“. Ein weiteres Bedürfnis könnte die Lust aufs Abenteuer sein. Der Langenweile in der Freizeit zu trotzen und eine Aufgabe zu haben. Bevor ich auf dem Sofa lande, gehe ich lieber eine Runde trainieren. Nur steht dann bei manchen nur noch das Training im Vordergrund. Gut, wenn man entweder einen toleranten Partner hat oder einen Partner, der auch so „verrückt“ nach Sport ist. Wieder andere brauchen vielleicht ein Erfolgserlebnis, weil sie es anderweitig nicht bekommen. – Und wieder andere tun es nur, um anderen zu gefallen – da haben wir wieder die Anerkennung.

 Jeder sollte das tun, was ihm Spaß macht.

Erstaunlich finde ich ja auch, wie manche Manager neben dem stressigen Job noch auf so etwas trainieren können. Was treibt sie dazu an? Ist es der Ausgleich? Ist es die Bestätigung? Oder vielleicht sogar die Flucht vor irgendwas? Oder ist es der „Perfekte Body“? Sport ist absolut wichtig und auch in der heutigen Zeit unumgänglich, um seinen Körper fit zu halten. Doch musss es denn immer gleich so eine extreme Sportart sein? Wie auch immer. Ich finde es klasse, wenn jeder das tut, was ihm oder ihr Spaß macht, denn das ist die Hauptsache und bei dem einen ist es der Leistungssport, beim anderen der Sport an sich, der einfach Spaß machen sollte und bei anderen ist es etwas ganz anderes.

Wann sind die Grenzen erreicht?

Höher, schneller, weiter… was kommt als nächstes? Was wenn die Grenze erreicht ist? Geht es dann noch höher und noch schneller und noch weiter?

Leben wir nicht sowieso schon in einer Welt in der es nur noch „mehr – mehr – mehr“ gibt? Das größere Smartphone, das große Auto, mindestens 3x Urlaub im Jahr, möglichst viele sogenannte Freunde in sozialen Netzwerken, …

Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich mich immer und jederzeit auf das konzentrieren kann, was mir Erfüllung gibt. Nicht immer ist das der Sport … sondern das Leben, das mir geschenkt wird um Sport zu treiben.

(Dieser Artikel ist zuerst auf www.Alexandra-Stierle.de erschienen.)